Ein Künstler mit Farbe an den Fingern und Koi im Kopf
Manche Geschichten beginnen mit einem Meisterfisch. Andere mit einem Künstler, der mitten in der Nacht noch unsicher ist über eine Flosse, ein Auge, einen Farbwurf oder ein Stück Sumi. Bei Gregor Meyer beginnt sie meist mit beidem.
Gregor ist ein Pinselkünstler. Aber wer seine Arbeit kennt, weiß, dass diese Beschreibung eigentlich zu kurz greift. Er malt Kois nicht, als wären sie dekorative Objekte. Er malt sie so, als hätten sie eine Vergangenheit, einen Besitzer, einen Verlust, einen Sieg, einen Charakter. Und ja, manchmal auch so, als hätten sie ihn persönlich zu einem Duell mit Farbe, Licht und Geduld herausgefordert.

Letzteres ist keine Übertreibung. Bei der Entstehung seines jüngsten Goshiki-Gemäldes wurde erneut deutlich, wie akribisch Gregor ist. Er sucht nicht nur nach einem schönen Bild, sondern nach einem Bild, das Sinn macht. Ein Koi muss anatomisch überzeugend sein, die Vielfalt muss erkennbar bleiben und die Atmosphäre muss mehr sagen als nur: Schau, ein Fisch; Bilder müssen heutzutage Substanz haben. Zum Glück.
Das Fragezeichen hinter der Farbe
In diesem Prozess nutzt Gregor regelmäßig Tiebo Jacobs von KoiQuestion als Quelle für Fragen. Nicht weil Gregor kein eigenes künstlerisches Auge hat, sondern weil er die Wahrheit über Nishikigoi ernst nimmt. Und jeder, der Koi ernst nimmt, weiß, dass ein Detail nie nur ein Detail ist.
Ist das Blau in der Flosse echt, oder ist es eine Reflexion des Fasses? Sollte das Rot schwarz sein? Ist die Platzierung des Auges korrekt? Handelt es sich um einen Budo Koromo, einen Sumi Goromo oder doch um etwas anderes, das wieder einmal durch den menschlichen Drang nach Namen unnötig verkompliziert wurde?
Genau solche Fragen stellt Gregor. Nicht aus Verunsicherung, sondern aus Respekt. Ein Gemälde mag Kunst sein, aber ein Koi bleibt ein Koi. Und in der Koi-Welt wird man gnadenlos abgestraft, wenn man meint, ein Sanke, Showa, Goshiki oder Utsuri sei nur „ein hübscher bunter Fisch“. Solche Leute tun wahrscheinlich auch Mayonnaise auf Sushi.
Das Goshiki als Wendepunkt
Für sein neuestes Werk wählte Gregor einen Goshiki. Eine in der Koi-Welt beliebte Sorte, aber keineswegs ein einfacher Kunde für einen Künstler. Die Schönheit eines Goshiki liegt gerade in der Spannung zwischen dem tief liegenden Sumi, dem roten Muster und der oft fast geheimnisvollen Hautstruktur.
Gregor selbst hat es sehr treffend beschrieben:
„Goshiki war eine Herausforderung. Ein schwieriger Fisch, aber einigermaßen erfolgreich. Das Abenteuer liegt in den Kontrasten. Bei 90 % Schwarz und Weiß wusste ich, dass das Sumi dominieren würde. Es lenkt vom Schwarz-Weiß ab und betont das bereits erwähnte Sumi. Für mich ein neuer Blickwinkel und eine schöne Inspiration für die weitere Entwicklung.“
Und genau darin liegt das Herzstück dieses Werks. Das Goshiki wurde nicht einfach auf einen Hintergrund gestellt. Die gesamte Komposition wurde zu einem Spiel zwischen Schwarz, Weiß, Grau und Rot. Indem fast alles um den Koi herum auf monochrome Farbtöne reduziert wurde, hatte der Sumi plötzlich Raum zum Sprechen. Nicht schreiend, nicht dominant in den Raum eindringend wie ein Bastler mit einer etwas zu großen Schale, sondern präsent. Vielschichtig. Aufregend.
Eine Geisha, ein Goshiki und eine Menge Mumm

Das Gemälde zeigt eine weibliche Figur, die fast wie eine Geisha aussieht, wobei das Gesicht und die Umgebung weitgehend in Schwarz und Weiß gehalten sind. Darüber bewegt sich das Goshiki als roter und lebendiger Kontrast. Die Wirkung ist unmittelbar. Der Koi springt vorwärts, wird aber gleichzeitig von der geheimnisvollen Ruhe des Hintergrunds getragen.
Gerade weil Gregor die Strenge um den Fisch herum wählte, schuf er Raum für Spannung. Die roten Muster des Goshiki ziehen den Blick auf ihn, während die schwarz-weiße Fassung dem Sumi zusätzliches Gewicht verleiht. Das ist kein Trick. Das ist Komposition. Und Komposition ist der Punkt, an dem Kunst aufhört, ein „hübsches Bild“ zu sein, und anfängt, etwas zu sein, das hängen bleibt.
Die Herausforderung bestand vor allem in der Dosierung. Zu viel Schwarz und die Arbeit würde verstopfen. Zu viel Farbe und die ganze Idee des Kontrasts würde sich verflüchtigen. Würde man den Koi zu sehr betonen, würde der Hintergrund zur Kulisse. Zu viel Hintergrund und der Koi würde zu einem Statisten in seinem eigenen Bild werden. Auch dafür hat der Mensch ein Talent: genau das Falsche wichtig zu machen.
Vom Zweifel zur neuen Inspiration
Das Besondere an diesem Werk ist nicht nur das Endergebnis, sondern auch, was es mit Gregor selbst gemacht hat. Nach unzähligen Gemälden gab er ehrlich zu, dass er sich ein wenig ausgebrannt fühlte. Nicht dramatisch, nicht theatralisch, sondern einfach so, wie es Künstlern manchmal geht, wenn Technik, Erwartung und Produktion beginnen, sich gegenseitig aufzufressen.
Mit dem Goshiki hat sich das geändert.
„Für mich ein neuer Blickwinkel und eine schöne Inspiration, um mich weiterzuentwickeln. Es hat bereits zu einem neuen Auftrag geführt, ich bin also positiv überrascht.“
Diese neue Energie nahm er direkt in sein nächstes Werk mit: ein Hi Utsuri. Ein noch größerer Kontrast, wie Gregor selbst bemerkte, denn ein Hi Utsuri besteht größtenteils aus kräftigem Sumi und warmem Hi. Dies erlaubte ihm, weiter mit Tiefe und einer stärkeren dreidimensionalen Wirkung zu experimentieren.
„Nach zahllosen Gemälden ist es wieder ein neuer Schwung. Damit hatte ich nicht gerechnet, denn ich war ein bisschen ausgebrannt. Jetzt bin ich wieder voller Inspiration.“
Das ist vielleicht das Beste an dieser Geschichte. Nicht nur ein Gemälde, das erfolgreich ist, sondern ein Gemälde, das seinen Schöpfer wieder in Gang bringt. Als würde das Goshiki nicht nur gemalt werden, sondern auch etwas zurückgeben.
Kunst mit Herzklopfen
Diejenigen, die Gregor schon länger verfolgen, wissen, dass ihn die Geschichten hinter den Koi sehr berühren. Vor allem, wenn es um Verlust, Erinnerung oder Emotionen geht. So hat er schon früher Arbeiten zu besonderen Koi geschaffen, die für ihren Besitzer viel mehr waren als nur ein preisgekrönter Fisch.
Ein Beispiel ist derverstorbene Koi von Patrick Makkes. Eine Geschichte, die Gregor nicht losgelassen hat. Nachdem er gehört hatte, was passiert war, beschlossen er und seine Tochter Larissa, etwas Besonderes zu machen. Larissa würde einen Kohaku in ihrem eigenen Stil anfertigen, Gregor einen Sanke auf Platte. Nicht als kommerzieller Auftrag, sondern als Geste.
Das sagt eine Menge aus. In einer Welt, in der selbst die Trauer manchmal zum Inhalt gemacht wird, wählt Gregor die Farbe als Erinnerung. Stumm, greifbar und persönlich.
Auch der Verlust des ehemaligen Maskottchens von KoiQuestion berührte ihn. Der berühmte Showa, der zu einer Ikone innerhalb der Gemeinschaft wurde und schließlich mit 93 Zentimetern in einem Schlammteich in Dainichi sein Leben verlor. Für viele Menschen war das „ein Fisch“. Für Enthusiasten war es eine Geschichte. Für Gregor war es ein Gefühl in Farbe.
Vater und Tochter bei der Koi-Ausstellung Noorderlicht
Auf der Koi Show Noorderlicht in Bakkeveen wird diese Geschichte ein neues Kapitel bekommen. Gregor wird mit seiner Arbeit dort sein, aber dieses Mal ist er nicht allein.
Neben ihm steht seine Tochter Larissa mit ihren eigenen Aquarellbildern. Und das macht diese Ausgabe besonders. Sie war schon 2017 dabei, damals noch mit Aufklebe-Tattoos für Besucher. Lustig, unschuldig, ein Kind, das in die Welt ihres Vaters eintritt. Aber jetzt kehrt sie als Künstlerin mit ihrem eigenen Stil zurück.

Darauf ist Gregor sichtlich stolz. Und das zu Recht. Denn wie oft sieht man bei einer Koi-Ausstellung einen Vater und eine Tochter, die beide ihre eigene Koi-Kunst ausstellen? Wahrscheinlich nicht oft. Vielleicht sogar zum ersten Mal. Und ansonsten tun wir nur so, denn auch der Journalismus sollte sich trauen, ein wenig zu atmen.
Larissa arbeitet mit Aquarell und Gouache, einer völlig anderen Technik als Gregors Pinselarbeit. Wo er auf Tiefe, Kontrast und Airbrush-Präzision setzt, schafft ihre Arbeit stattdessen eine weichere, illustrativere Sensibilität. Zwei Generationen, zwei Techniken, ein Thema: Nishikigoi.
Warum Sie mit Gregor in Bakkeveen sprechen sollten
Wenn Sie Gregor auf der Koi Show Noorderlicht treffen, treffen Sie nicht nur einen Künstler mit einem Stand. Man trifft jemanden, der mit jedem Koi kämpft, redet, zweifelt und ausharrt, bis das Bild stimmt. Jemand, der Tiebo fragt, ob eine Flosse nicht zu blau ist, ob das Rot rein genug bleibt, ob ein Muster die richtige Spannung hat. Nicht weil er es muss, sondern weil es ihm wichtig ist.
Und das spiegelt sich in seiner Arbeit wider.
Das Goshiki ist vielleicht ein Wendepunkt in diesem Zusammenhang. Ein Gemälde, in dem Gregor nicht nur einen Fisch abbildet, sondern auch einen neuen künstlerischen Weg entdeckt. Weniger Farbe, wo sie kann, mehr Kraft, wo sie muss. Mehr Kontrast, mehr Spannung, mehr Kühnheit.
Besucher der Koi Show Noorderlicht können Gregor und Larissa nächste Woche im Bakkeveen persönlich treffen, ihre Arbeiten sehen und die Geschichte hinter den Bildern hören. Und glauben Sie uns: Diese Geschichte ist mindestens genauso wichtig wie das Endergebnis.
Mehr als Koi an der Wand
Ein Koi-Gemälde ist nur dann erfolgreich, wenn es mehr tut, als nur zu erscheinen. Es muss etwas hervorrufen. Erinnerung. Stolz. Verlust. Staunen. Vielleicht sogar ein wenig Neid bei Leuten, die meinen, sie könnten selbst „ganz gut zeichnen“. Die armen Seelen.
Gregor Meyer zeigt mit seinem Goshiki, dass sich die Koi-Kunst noch weiterentwickeln kann. Nicht durch härteres Malen, sondern durch klügeres Schauen. Indem man Kontraste als Erzählung nutzt. Indem er Sumi nicht nur als Farbe, sondern als Charakter sieht. Indem man einen Koi nicht von der Emotion trennt, die er in den Menschen hervorruft.

Und vielleicht ist das genau der Grund, warum seine Arbeit so gut in die Koi-Welt passt. Nishikigoi sind nie nur Fische. Sie sind Ehrgeiz, Verlust, Geduld, Besessenheit, Schönheit und manchmal eine finanzielle Entscheidung, über die man zu Hause besser nicht zu ehrlich spricht.
In den Händen von Gregor werden sie zu etwas Dauerhaftem.
Besuchen Sie ihn also unbedingt während der Koi Show Noorderlicht in Bakkeveen. Schau dir das Goshiki an. Sehen Sie Larissas Arbeit. Stellen Sie Fragen. Hören Sie sich die Geschichte an. Und vor allem: Nehmen Sie sich Zeit.
Denn manche Kois schwimmen nicht mehr im Wasser, sondern in Farbe.








