Koen Gevers trifft Koi Academy
Vom Kalb zum Koi: der wissenschaftliche Weg
Koens beruflicher Weg begann in der medizinischen Mikrobiologie. „Ich wollte in einem Krankenhaus arbeiten und Menschen helfen“, sagt er. Doch seine Faszination für Parasiten führte ihn auf einen anderen Weg. Er landete bei einem Pharmaunternehmen, wo er mehr als 20 Jahre lang Impfstoffe für Tiere entwickelte. Sein ganzer Stolz: ein wirksamer Impfstoff gegen Cryptosporidium bei Kälbern.
„Dieser Weg hat 15 Jahre gedauert. Ich war von dem Moment an dabei, als das Protein identifiziert wurde, habe es patentiert, bei der Entwicklung des Impfstoffs geholfen und die Markteinführung überwacht. Es liegt in meiner DNA, die komplexe Biologie verstehen und verbessern zu wollen“.
Dieser systematische, wissenschaftlich fundierte Ansatz bildet heute die Grundlage für seine Arbeit in der Koi-Welt.

Der Teich als Ökosystem
Koen betrachtet den Teich als ein lebendes Ökosystem. „Wenn man einen Filter installiert, installiert man keine Maschine, sondern eine biologische Gemeinschaft. Und die funktioniert nur gut, wenn man sie versteht.“
Seine Suche begann aus Verwunderung, aber auch aus Frustration über unzureichende Erklärungen in diesem Hobby. „In den Foren bekam ich Fragen, aber auch viele Halb-Antworten. Ich wollte wissen, wie es wirklich ist. Also begann ich zu recherchieren. Manchmal buchstäblich bis in die Universität hinein.
Das Ergebnis war sein erster eigener Meisterkurs über Filterbiologie – ein sechsstündiger Kurs, der ihn bei ernsthaften Aquarianern bekannt gemacht hat und der vielleicht auch unter dem Banner der Koi Academy erscheinen wird, wenn es nach Koen geht.
Diese Geschichten über Quadratmeter Anbaufläche pro Liter Filtermedium… die machen mich ganz rot im Gesicht
Eine Geschichte voller Fragen, Einsichten und Nuancen
Das Interview liest sich wie eine Entdeckungsreise durch die verborgenen Welten unter Wasser; von Bakterien in Filtern bis zur Virusbiologie, von pH-Einflüssen bis zu hartnäckigen Hobbyfabeln, und gibt einen guten Eindruck davon, was Koen heute bewegt;
Über die Adhäsionsfläche in Filtermedien
„Diese Geschichten über Quadratmeter Anhaftungsfläche pro Liter Filtermedium… die machen mich rot“, sagt er. „Nicht weil diese Materialien schlecht sind, im Gegenteil, sondern weil es oft eine leere Behauptung ist. Die eigentliche Frage ist: Was passiert eigentlich biologisch in diesem Volumen? Welche Bakterien leben dort? Wie schnell fließt das Wasser? Wie viel Sauerstoff ist vorhanden?“
pH-Wert, Sauerstoff und Bakteriendominanz
Wir sprechen über Bakterienstämme, darüber, dass ein pH-Wert von 7,2 eine völlig andere Mikroflora hervorbringt als ein pH-Wert von 8,0. Darüber, wie Sauerstoff das Gleichgewicht zwischen autotrophen und heterotrophen Bakterien verschiebt, und was das für Ihren Teich bedeutet. „Die meisten Hobbyisten haben keine Ahnung, welchen Einfluss Parameter wie pH-Wert und Sauerstoff darauf haben, welche Bakterien dominant werden. Und das ist entscheidend, wenn Sie verstehen wollen, warum Ihr Filter funktioniert oder nicht, besser oder schlechter funktioniert.“
CO₂-Auswaschung in Wanderbettfiltern
„Dass der CO₂-Verlust Nitritspitzen verursacht? Ich habe nichts davon geglaubt und angefangen, es mit Daten zu vergleichen. Es ist viel nuancierter.“ Auch die Idee, dass Wanderbettfilter aufgrund von CO₂-Efflux versagen, kommt zur Sprache. Koen lächelt: „Ich habe diese Theorie schon oft gehört, aber ich habe ihr keinen Glauben geschenkt. Also habe ich angefangen, sie zu untersuchen. Nicht mit Meinungen, sondern mit Daten. Ich sprach mit Wissenschaftlern, analysierte die Literatur, und erst dann passte alles zusammen. Es ist vielschichtiger, als die Leute denken.
Krankheit als Symptom, nicht als Ursache
Das Gespräch verlagert sich auf Krankheiten. Koen weist auf einen wichtigen Punkt hin: „Was die Leute oft als ‚die Krankheit‘ sehen, ist meist nicht das Hauptproblem. Eine bakterielle Infektion ist oft eine Folgeerscheinung. Schlechte Wasserqualität, Stress, ein schlecht funktionierender Filter – das sind die wahren Ursachen. Und darauf muss man sich konzentrieren.“

KHV-Impfstoff: Kritischer Blick auf die genetische Stabilität
Dann kommt ein weiteres schwerwiegendes Thema ins Spiel, das ich angesichts seiner Erfahrung in der Impfstoffentwicklung ansprechen musste: der israelische KHV-Impfstoff. Koen ist zurückhaltend. „Wenn es stimmt, dass nur drei Basenpaare genetisch verändert sind, dann ist das sehr wenig. Viren sind schlau. Sie passen sich an. Und ein lebendes, geschwächtes Virus, das sich erholen kann … damit muss man vorsichtig sein.“
Diese Themen zeigen nicht nur Koens Intelligenz, sondern auch seine Fähigkeit, Wissenschaft verständlich zu machen. Viele dieser Themen werden bald mit ihm in ausführlichen Artikeln auf KoiQuestion weiterentwickelt werden. Koen war übrigens auch der Kopf hinter der App Koi-Rechner; ein weiteres Beispiel dafür, wie er versucht, Wissenschaft für den Hobbyisten zugänglich zu machen.
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